Am 14.04.2026 traf sich der SBR Pieschen zu seiner 21. Sitzung. Die Tagesordnung war prall gefüllt mit großen Bauprojekten, sozialen Anfragen und vielen Förderanträgen für unseren Stadtbezirk.
1. Beteiligung ernst nehmen: Kinder und Jugendliche im Fokus
Den Auftakt machte die Vorstellung des Handlungsleitfadens zur Kinder- und Jugendbeteiligung für Dresden durch die Dresdner Kinder- und Jugendbeauftragte Frau Lietzmann. Sie berichtete, dass die Rathaustouren für das gesamte Schuljahr bereits ausgebucht sind. Modellprojekte zur Kinder- und Jugendbeteiligung in Blasewitz (schulisch) und der Neustadt (außerschulisch im Alaunpark – Baumpflanzaktion) zeigten bereits große Erfolge. Für Pieschen ist das Projekt „UFER – Alte Gärtnerei“ ein wichtiger Kooperationspartner.
Die Botschaft war klar: Kinder und Jugendliche wünschen sich mehr Freiräume und Bewegungsflächen. Der Appell an uns Beiräte lautet, die gesetzliche Vorgabe zur Beteiligung (§ 47a SächsGemO) konsequent umzusetzen.
2. Kitas und Bauen: Liegenschaften und Wärmeplanung
Unter Punkt 2 standen diverse Vorlagen des Stadtrates zur Beratung auf dem Plan.
- Kita-Liegenschaft Weinbergstraße 2: Das Gebäude (ein Einzeldenkmal aus dem Ende des 19. Jahrhunderts) soll vom Sondervermögen Kita an das Amt für Hochbau/Immobilien übertragen und meistbietend verkauft werden. Der Erlös soll in Sanierungen anderer Kitas fließen. Der SBR stimmte der Vorlage mit 13/3/3 zu.
- Kommunaler Wärmeplan: Hier hat sich seit der letzten Vorstellung im Oktober wenig verändert, außer dass ein kleines Prüfgebiet neu aufgenommen wurde. Der Fokus liegt weiterhin auf dem Ausbau der Fernwärme. Zustimmung mit 14/0/3.
3. Mammutprojekt: Alter Leipziger Bahnhof (ALB)
Ein zentrales Thema war die städtebauliche Entwicklung des Areals am Alten Leipziger Bahnhof. Das Gesamtgebiet wird in zwei Bebauungspläne, Nord und Süd, unterteilt. Ausgangspunkt der Planungen ist immer noch der städtische Masterplan. Insgesamt geht es um 27 ha Fläche und 12 Eigentümer·innen.
ALB-Nord: Hier geht es um rund 16,1 Hektar, inklusive der „Kulturspange“ am Schlachthof. Diskutiert wurde unter anderem über Lärmschutz (keine Lärmschutzwand geplant, eher gewerbliche Nutzung als Puffer) und den Erhalt des Wagenplatzes, der als Sondergebiet berücksichtigt ist. Die Orangerie und der zugehörige Park bleiben als Denkmal gesetzt. Hier finden derzeit Verhandlungen mit den Eigentümern über eine Flächenneuordnung statt.
ALB-Süd: Hier steht der ehemalige Bahnhof selbst im Fokus, der als Gedenkort und Begegnungszentrum entwickelt werden soll. Über den Stand der Verhandlungen mit Globus wurde aus Geheimhaltungsgründen nichts berichtet. Allerdings geht die Stadt davon aus, dass aufgrund der Verhandlungen mit der Bahn die Gleisbögen geöffnet werden können.
Für uns ging es im Wesentlichen um Information und die formelle Aufhebung der alten, nicht mehr aktuellen Bebauungspläne. Im Mai soll der Aufstellungsbeschluss für die neuen Bebauungspläne erfolgen, das Verfahren wird sich insgesamt mindestens 3 Jahre hinziehen, gegebenenfalls sind aber Teilprojekte bereits eher möglich.
Die Abstimmungsergebnisse: Für ALB-Nord gab es ein 13/1/5 (plus ein einstimmiger Ergänzungsantrag). Der Bereich ALB-Süd wurde mit 11/7/1 mehrheitlich zur Kenntnis genommen (hier durften wir nichts entscheiden, weil dieses Gebiet zu Neustadt gehört).
4. Wohnungsbau mit dem „Bauturbo“ in Mickten
Zwei große Bauvoranfragen in Mickten (Quartiere C3 an der Flutrinne und D2 an der Sternstraße) sorgten für Redebedarf. Hier kommen die neuen „Bauturbo“-Regelungen zum Einsatz, die Abweichungen vom alten Bebauungsplan von 2001 ermöglichen, um schneller Wohnraum zu schaffen.
Geplant ist eine Blockrandbebauung mit insgesamt über 50.000 m² Geschossfläche, wovon ca. 95 % als Wohnraum genutzt werden sollen. Ursprünglich war dort viel mehr Gewerbe und Handel vorgesehen. Es entstehen auch geförderte Wohnungen (ca. 3.700 m² insgesamt). Kritisch hinterfragt wurden die Mietpreise und der Zeitgewinn durch den Bauturbo (3 Monate statt 3-4 Jahre Planverfahren). Ein Ergänzungsantrag von Pia Barkow (Die Linke), den Investor zu weiteren gemeinnützigen Leistungen zu verpflichten, fand keine Mehrheit. Das Gesamtpaket wurde mit 17/1/0 sehr deutlich befürwortet.
5. Der Kampf um die Finanzen: Nachtragshaushalt 2026
Die Haushaltslage der Stadt ist dramatisch. Der Oberbürgermeister plant Kürzungen bei den Stadtbezirksmitteln von ursprünglich 9 € auf faktisch nur noch 65 % dieses Betrages. Wir als SBR wehren uns dagegen: Ein überfraktioneller Ergänzungsantrag (Piraten/Die Partei/Linke/Grüne) fordert die Rückkehr zu den 9 € pro Einwohner. Die Ersparnis für die Stadt durch die Kürzung in Pieschen (ca. 122.000 €) ist im Vergleich zum 2-Milliarden-Gesamthaushalt verschwindend gering, fehle uns vor Ort aber massiv für Soziales und Kultur. Der Ergänzungsantrag und die Vorlage wurden mit 9/4/4 angenommen.
6. Förderungen für den Stadtteil (SBR-Budget)
Wie immer haben wir auch direkt über die Unterstützung lokaler Projekte entschieden:
- Baumpflanzungen: An der Ecke Trachauer Heideweg/Döbelner Straße werden zwei Hopfenbuchen gepflanzt. Die Kosten von ca. 15.680 € wurden einstimmig bewilligt. Spannend: Dresden plant eine „Gieß-App“, damit Anwohner·innen die Baumpflege unterstützen können.
- Musikschule Goldenes Lamm: Das Projekt „Nola Note“ bringt Kita- und Grundschulkindern spielerisch Musik näher. Einstimmige Bewilligung von 6.000 €.
- SV TUR Dresden: Die Fenster im Bootshaus Scharfenberger Straße einschließlich eines historischen, künstlerisch wertvollen Glasbetonfensters müssen saniert werden. Wir unterstützen das mit 19.000 € (einstimmig).
- Trachenfest 2026: Das beliebte Familienfest auf den Hufewiesen findet am 09.05.2026 statt. Nach Diskussionen über die hohen Kosten wurden 8.270 € bewilligt (9/0/7).
- Zentralwerk: Für das generationsübergreifende Projekt „eurOMA – eurOPA“ am 10.05.2026 fließen 5.400 € (9/8/0).
- Emmers: Das Kinder- und Jugendhaus benötigt dringend Reparaturen am Sandsteinportal und der Eingangstür. Wir helfen mit 4.259,58 € (16/0/1).
7. Informationen und Anfragen
Zum Abschluss gab es Infos vom Stadtbezirksamtsleiter: EDEKA wird Ende des Jahres den aktuellen Projektstand zum Gelände von Dominos Pizza an der Leipziger Str. vorstellen.
Eine wichtige Anfrage kam von den Grünen und der CDU zum Sozialen Dienst für Senior·innen. Durch Umstrukturierungen (Zusammenfassung zum „Bezirk Nord“) wird die Beratung vor Ort in den Ämtern abgebaut und auf freie Träger übertragen. Wir fordern hier Klarheit über künftige Sprechzeiten und die „Lotsenfunktion“ der Verwaltung für ältere Menschen in Pieschen.
Unsere lange und diskussionsreiche Sitzung endete erst gegen 23:30 Uhr.
Die nächste Sitzung findet planmäßig am 12.05.2026 18:00 Uhr statt – wir bleiben für euch an den Themen dran! Wenn Ihr eigene Themen aus dem Stadtbezirk habt, freuen wir uns auf Eure Nachricht.



