Naddl und Ronny bleibt!

Viele Sticker mit dem Bild des goldenen Reiters, auf dessen Sockel der Schriftzug "Naddl & Ronny" zu sehen ist. Holger Zastrow ist als traurige "Teletubby-Sonne" oben links zu sehen.
Naddl & Ronny | CC Tigo Stolzenberger

In einer Stadt, die nach der Auflösung der DDR versuchte, sich aus ihrem Grau und ihrer Trostlosigkeit zu lösen, lebten zwei Teenager, deren Welten auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Da war zunächst Ronny, ein lebhafter junger Mann und Sohn eines Fabrikarbeiters. Er kannte die Enge der Räume und das ständige Ringen um das Nötigste. Die Ungerechtigkeit des Systems brannte in ihm wie ein Feuer. Jeden Tag sah er Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft oder finanziellen Lage benachteiligt wurden. Ronny träumte davon, etwas zu ändern, davon, für eine gerechtere Gesellschaft zu kämpfen. Diese Gedanken ließen ihn nicht ruhen, er wollte Veränderung!

Auf der anderen Seite stand Naddl, eine junge Frau aus einer wohlhabenden Familie, der es an nichts mangelte. Trotz des Überflusses an materiellen Gütern und dem luxuriösen Lebensstil fühlte sie sich oft leer und unerfüllt. Das Geld brachte ihr alles, außer das, wonach sie sich wirklich sehnte – echte Verbundenheit und Bedeutung.

Ronny war für Naddl zunächst nur einer von vielen Arbeitern in der Fabrik, die ihr Vater leitete. Eigentlich hatten sie auch gar nichts miteinander zu tun. Doch eines Abends lief Naddl ums Eck im nahegelegenen Industriegebiet und erblickte eine Person, die sich an einer Gebäudefassade zu schaffen machte. Ihre Neugierde war unbändig, also näherte sie sich ganz langsam und vorsichtig und knack, trat dabei versehentlich auf einen Ast, der ein lautes Geräusch machte. Verschreckt drehte sich die Person, die mittlerweile gar nicht mehr soweit entfernt war, um – es war Ronny.

Sie blickten sich für wenige Sekunden stumm an, dann rannte Ronny in die Ferne. Naddl wusste noch nicht, was genau Ronny an der Wand gemacht hatte und trat fasziniert näher. Sie war selten abends unterwegs, auch nicht mit Freunden, da sie nur wenige hatte und das waren keine, die zu nächtlicher Stunde zwielichtige Dinge tun würden. „Tod dem Kapitalismus!“, stand dort geschrieben. Wirklich schön war es nicht, aber doch irgendwie ausdrucksvoll. Dass viele der hart arbeitenden Menschen keine Freunde des ausbeuterischen Systems waren, wusste Naddl. Was für sie neu war: Diese stille Aufmüpfigkeit – und genau das machte Ronny für sie interessant.

Je mehr sie darauf achtete, desto öfter fielen ihr kleine Botschaften an Wänden und Mauern in der näheren Umgebung auf. Sie dachte immer öfter an die nächtliche Begegnung mit Ronny und seinen Protest.
Sie hatten zuvor eigentlich nie miteinander gesprochen, wenn, dann nur flüchtig. Im Laufe der Zeit suchte Naddl aber immer wieder kleine Interaktionen mit Ronny, sie verbrachten Pausen miteinander und lernten sich besser kennen. Bereits früh erkannten sie, dass sie ähnliche Werte teilten. Beide waren frustriert von einem System, das Menschen aufgrund ihres sozialen Status beurteilte und dementsprechend behandelt. Ronnys Leidenschaft und Naddls Sehnsucht nach wirklicher Bedeutung schweißten sie zusammen. Sie begannen, sich auch außerhalb der Fabrik zu treffen und trotz der sozialen Unterschiede, die größer kaum sein könnten, spürten sie eine besondere Anziehung zueinander.

Naddls Vater fand heraus, mit wem sich seine Tochter traf und war sehr enttäuscht, denn er hatte „mehr“ von ihr erwartet. Er feuerte Ronny und verbot ihr, ihn weiterhin zu sehen. Doch das machte ihre Gefühle für Ronny nur noch stärker und die abwertenden Äußerungen ihres Vaters trieben sie nur noch mehr in Ronnys Arme. Nach kurzem Bedenken rissen beide zusammen aus und Naddl fühlte sich endlich geliebt und bedeutend. Sie verbrachten unzählige Nächte draußen, die nur so geprägt von Unfug und jugendlichem Schabernack waren. So entstand wahrscheinlich auch der Schriftzug „Naddl & Ronny“ an der Carolabrücke und „Naddl und Ronny siegt!“ am Hochhaus Grunaer Straße 5.

Ihre Liebe und ihre gemeinsame Vision für eine gerechtere Gesellschaft wurden zu einem Anker in Dresden – in einer Gesellschaft, die von Ungleichheit geprägt ist. Naddl und Ronny bewiesen, dass die Grenzen zwischen sozialen Schichten überwunden werden können und ihre Namen wurden zu einem Symbol der Hoffnung für viele, die an Veränderung glaubten.

Diese Geschichte ist natürlich fiktiv und frei von uns erfunden. „Naddl & Ronny“ hat mittlerweile Kultstatus und es ist absurd, diese Kunst für 12.000 € entfernen zu wollen, während das Geld an allen Ecken fehlt. Der Rapper Pöbel MC sagt: “Sauberkeit ist auch nur die Ästhetik der Unterdrückung.” Und dem schließen wir uns an. Man kriegt Naddl & Ronny vielleicht von der Carolabrücke, jedoch nicht aus dem Stadtbild. Wir sagen: “Naddl & Ronny” lebt und bleibt!

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