SBR Pieschen 10.03.2026 – Bauturbo, Jobcafe, Kultur und eine Fäkalienentsorgung

Platzschild im SBR Pieschen: Jens Hänsch, PIRATEN

In der heutigen Sitzung standen neben Berichten zu Baumaßnahmen der SachsenEnergie vor allem die Debatte um den sogenannten „Bauturbo“ sowie zahlreiche Förderanträge lokaler Vereine im Mittelpunkt.

1. Aktuelle Baumaßnahmen der SachsenEnergie

Die Vertreter der SachsenEnergie Herr Kadler und Herr Gidde gaben einen Ausblick auf kommende Baustellen im Stadtbezirk.

  • Strom & Fernwärme: Am Dreyssigplatz stehen Strombaumaßnahmen an; in der Arno-Lade-Straße und der Leipziger Straße beschränkt sich die Fernwärme im ersten Halbjahr weitgehend auf Hausanschlüsse.
  • Watzke-Weiche: Die Restarbeiten sollen voraussichtlich im ersten Halbjahr abgeschlossen werden.
  • 110 KV-Leitung: Hier wird der Ausbau im nördlichen Bereich der Wilder-Mann-Str. im 1. Halbjahr fortgesetzt und voraussichtlich beendet
  • Trinkwasser & Gas: In Übigau läuft der Gas-Mitteldruck-Ausbau weiter, während die Trinkwasserarbeiten in der Harkortstraße für die Zeit der Sommerferien geplant sind.
  • Glasfaser: Der Ausbau wird aktuell geplant, die Baumaßnahmen sollen jedoch eher „nebenbei“ mitlaufen.

2. Grundsatzbeschluss „Bauturbo“ (V0677/25)

Über eine Stunde war dann der sogenannte „Bauturbo“ Gegenstand unserer Diskussion.

Frau Heckmann vom Stadtplanungsamt stellte die Pläne zur Beschleunigung des Wohnungsbaus vor. Hintergrund ist die Baugesetz-Novelle (BauGB) von 10/2025, die es ermöglichen soll, von Bebauungsplänen abzuweichen, um das Baugenehmigungsverfahren zu beschleunigen. Derzeit dauert es ca. 3-5 Jahre, um einen Bebauungsplan in Kraft zu setzen. Aktuell wird für Dresden ein Bedarf von 2.000 neuen Wohnungen pro Jahr prognostiziert; gebaut werden lediglich 1.000.

Dabei muss klargestellt werden, dass dieses Verfahren nicht individuelle Baugenehmigungen betrifft, sondern größere Baumaßnahmen wie z.B. die Bebauung eines ganzen Quartiers. Hier hat die Stadt im Planungsprozess zahlreiche Möglichkeiten, auf das Bauvorhaben Einfluss zu nehmen.

Kernpunkte der Vorlage:

  • Verzicht auf langwierige BPlan-Verfahren unter bestimmten Bedingungen (§ 246e BauGB).
  • Übertragung der Entscheidungsbefugnis auf die Stadtverwaltung für Flächen bis zu 1 Hektar.
  • Verpflichtung zum Abschluss eines städtebaulichen Vertrages mit Verpflichtung zum Kooperativen Baulandmodell (15-20 % Sozialwohnungen) und Baubeginn innerhalb von drei Jahren nach Genehmigung.

Die Stadt erhofft sich dadurch eine Beschleunigung des BPlan-Verfahrens um 2-3 Jahre.

Nach einer kurzen Auszeit wurden zwei Ergänzungsanträge (Grüne und Linke) angenommen, die einen Vorrang für Geschosswohnungsbau und die Einhaltung des Wohnkonzepts mit Blick auf preisgünstige bzw. altersgerechte Wohnungen sicherstellen sollen. Der so geänderte Grundsatzbeschluss wurde mit 8 Ja-Stimmen, 0 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen befürwortet.

3. Förderung lokaler Projekte

Der Stadtbezirksbeirat entschied über eine Vielzahl von Förderanträgen für das Jahr 2026:

  • AWO Job Café (10.978,00 €): Frau Sauer und Frau Siegel von der AWO stellten das erfolgreiche Projekt für junge Menschen (14–26 Jahre) vor allem aus sozial benachteiligten Gruppen zur Unterstützung bei der Jobsuche und Bewerbung vor. Im Jahr 2025 konnte man durch Einsatz einer sozialpädagogischen Fachkraft jeweils Dienstags und Donnerstags zwischen 14 und 18 Uhr im Emmers 95 Personen (ca. 3-5 Personen pro Öffnungstag) erreichen und unterstützen, davon ca. 2/3 junge Männer. Das Projekt soll fortgeführt werden. Mit deutlicher Mehrheit unterstützte der SBR dieses erfolgreiche soziale Projekt. Angenommen (11/0/2).
  • Kreative Werkstatt – Ostermarkt (4.176,53 €): Frau Sommermeyer vertrat den Antrag der Kreativen Werkstatt zum Ostermarkt im Galvanohof und stellte uns als anschauliche Objekte gebastelte Dekorationen aus Holz auf den Tisch. Der beliebte Markt im Galvanohof findet am 21.03. statt; der SBR regte hierbei noch mehr außen sichtbare Werbung für den Ostermarkt an. Einstimmig angenommen.
  • Motor Trachenberge (2.390,00 €): Zur Verbesserung des Trainingsbetriebs für die über 230 Kinder im Verein werden zwei neue Kleinfeldtore angeschafft. Der Verein umfasst ca. 350 Mitglieder in 17 Mannschaften, davon 230 Kinder, aktuell aber leider nur 4 Mädchen. Herr Mikoteit, der den Antrag vorstellte, sorgte für Lacher, als er bekannte: „Ich pfeife gern für Frauen.“ – wobei er natürlich seinen Einsatz als Schiedsrichter im Frauenfußball meinte. Einstimmig angenommen.
  • KGV „An der Eiche“ (12.000,00 €): Herr Zinn und Frau Clement stellten für den Verein den Antrag vor. Der Verein rüstet auf zentrale Abwasserentsorgung um und gestaltet den Festplatz neu. Hier entwickelte sich eine rege Diskussion, ob dieses Investitionsvorhaben, das überwiegend nur den Mitgliedern des Vereins zugute kommt, in Zeiten sehr knapper Kassen gefördert werden sollte. Letztendlich gelang es den Vertretern des Vereins aber, die Mehrheit des SBR davon zu überzeugen. Angenommen (9/3/1).
  • TREELINE Musikprojekt (1.118,30 €): Das internationales Konzertprojekt, das Musik und Umweltschutz verbindet und von Mitgliedern des Orchesters der Staatsoperette Dresden und der Kirchgemeinde Kaditz getragen wird, wurde professionell von Frau Preißler, Frau Büst und Herrn Borck vorgestellt. Der  bekannte englischer Komponist Graham Fitkin reist dieses Jahr mit dem Fahrrad von Rumänien nach England und gibt dabei an bedeutenden Bäumen am Weg zusammen mit örtlichen Akteuren Konzerte, die Musik und die erlebte Natur verbinden sollen. Für Dresden ist ein Konzert sowie ein Fest am 22.06. an der Kaditzer Linde – dem ältesten Baum Dresdens – geplant. Einstimmig angenommen.

Abgelehnt wurden folgende Anträge:

  • Zukunftsgestalten e.V.: Eine in der Alten Gärtnerei Pieschen am 4.-6.Juni geplante  Konferenz zu Dekolonialisierung und Nachhaltigkeit, die Auftakt zu einer längeren Veranstaltungsreihe im gesamten Stadtgebiet sein soll, fand keine Mehrheit (5/7/1).
  • Offene Lesebühne „Lesetresen“ (A. Schinkel): Das Projekt im Zentralwerk, bei dem in 5 Terminen etwa alle 2 Monate jeweils 10-12 Autoren die Möglichkeit haben, Ihre Texte kurz vorzustellen, wurde mit 6 Ja- zu 7 Nein-Stimmen knapp abgelehnt.

Die Linke legte einen Vorschlag vor, dem Stadtteilfest St. Pieschen die Sondernutzungsgebühren der Stadt zu erlassen und die Beschilderung und Absperrung kostengünstiger über die Stadtt zu realisieren. Der Vorschlag wurde einstimmig befürwortet.

Herr Sochor schlug vor, eine Straße in Trachau nach dem Maler Theodor Rosenhauer zu benennen, wobei er die jetzige Teichsstraße bzw. den Platz Alttrachau in den Blick nahm. Auch dieser Vorschlag wurde einstimmig verabschiedet. 

Nach einigen kurzen Anfragen und der Information, dass das Projekt Zollhof in Kaditz derzeit ruht, endete die lange Sitzung gegen 21:30 Uhr.

Die nächste Sitzung findet am 14.04.2026 ab 18:00 statt. 

Fragen, Anregungen und Anliegen können bis dahin gern an mich gerichtet werden. Und noch ein Hinweis für Antragsteller von Förderanträgen: gesellschaftliche, soziale oder politische Initiativen, die bisher nie oder selten Förderanträge gestellt haben, sollten sich rechtzeitig vor ihrem Auftritt im SBR von einem Mitglied des SBR beraten lassen, um angesichts schwieriger Mehrheitsverhältnisse Ablehnungen zu vermeiden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert