Am 7. Juli fand im Bürgersaal Pieschen die öffentliche Erörterung zum Bebauungsplan Nr. 3028 statt. Rund 60 Bürgerinnen und Bürger ließen sich von den städtischen Planerinnen, den Architekten und dem Vertreter des Investors (ADLER Real Estate) den aktuellen Stand für die Zukunft der Hufewiesen erläutern. Als euer Stadtbezirksbeirat war ich vor Ort, um kritisch zu beobachten: Bleibt der Kompromiss stabil, und was bedeutet das konkret für unser Viertel?
Die harten Fakten: Mehr Grün, weniger Autos
Die gute Nachricht vorab: Der Anteil der öffentlichen Grünfläche wurde auf 74 % erhöht (alte Planung 67 %). Das „Bürgergrün“ soll im Wesentlichen im Status quo gesichert werden – keine übertriebene Parkgestaltung, sondern Erhalt des Charakters. Der Wald bleibt Wald, eine Streuobstwiese kommt neu hinzu.
Baulich konzentriert sich alles auf die westliche Kante. Geplant ist eine „3fache Innenentwicklung“: kompakt, mobil und grün.
- Wohnen: Es entstehen ca. 150 bis 170 Wohnungen. Die Sozialquote nach dem kooperativen Baulandmodell soll bei etwa 20 % liegen. Die langen „Wohnriegel“ sollen dabei nicht gleichförmig gestalten, sondern mit unterschiedlichen Fassaden in 12-20m-Blöcken versehen werden, sodass die historisch gewachsene Bebauung aus der Gründerzeit optisch aufgegriffen wird.
- Gewerbe: Neben ca. 17.400 m² BGF Wohnraum sind ca. 22.000 m² BGF für Gewerbe und Forschung vorgesehen.
- Mobilität: Das Quartier soll weitgehend autofrei bleiben. Geparkt wird zentral in einer bis zu 19 Meter hohen Quartiersgarage im Norden, die gleichzeitig als massiver Lärmschutzriegel gegen die Bahn fungiert. Perspektivisch ist vorgesehen, einen Fernradweg zwischen Radebeul und der Dresdner Innenstadt durch das Baugebiet und die Hufewiesen zu führen.
Kritische Punkte: Transparenz und Klima
Trotz der professionellen Präsentation blieben Fragen offen. Besonders kritisch sehe ich den geplanten „Forschungsbunker“ (Sondergebiet SO 2). Hierzu gibt es bisher nur Baufelder, aber keine konkrete Kubatur oder Visualisierung. Die genauen Klimaauswirkungen dieser massiven Bebauung werden erst im nächsten Entwurfsschritt geklärt. Immerhin: Die wichtigen Ost-West-Frischluftschneisen sollen durch die Stichstraßen erhalten bleiben.
Ein „Planer-Trick“ am Rande: Auf den begrünten Dächern sind Glashäuser für Urban Gardening geplant. Diese sind in den offiziellen Höhenangaben nicht enthalten, da sie als „transparent“ gelten – sie könnten das Bild der Quartierskante aber dennoch massiv prägen.
Wie geht es weiter?
Wer auf schnelle Ergebnisse hofft, braucht Geduld. Aktuell läuft noch bis 31.07.2026 die Bürgerbeteiligung unter https://buergerbeteiligung.sachsen.de/portal/dresden/beteiligung/themen/1065512 (dort gibt es auch genauere Unterlagen – bitte beteiligen!). Danach wird diese ausgewertet und es folgt die Einarbeitung in den formalen Entwurf mit einer erneuten Beteiligungsrunde. Bis zum endgültigen Stadtratsbeschluss werden wohl noch mindestens 2 bis 3 Jahre vergehen.
Mein Fazit als Pirat: Dass der Grünanteil gestiegen und die Baukörper deutlich aufgelockert sind, ist ein Erfolg, der maßgeblich dem Hufewiesen Trachau e.V. zu verdanken ist. Wir werden aber genau beobachten, ob der Lärmschutz für die Anwohner auf der anderen Bahnseite durch Reflexionen an der Quartiersgarage verschlechtert wird und ob die versprochene Sozialquote und die anderen Versprechen wirklich im städtebaulichen Vertrag zementiert werden.
Bleibt dran – für ein Trachau, das lebenswert und bezahlbar bleibt!



