SBR Plauen vom 18.08.26 – Des Hilberts alte Kleider, tote Gräber, Grundstückssonderschlussverkauf & Scheiben schmeißen im Südpark

Namensschild mit dem Namen Tigo Stolzenberger darauf auf einem Tisch. Davor grpße Briefumschläge.

Am 18. August tagte der Stadtbezirksbeirat Plauen nach der Sommerpause wieder das erste Mal. Ungewohnt leitet diesmal nicht unser allseits geliebter (…) Stadtbezirksamtsleiter Hr. Fiebig, sondern Frau Pretzsch, stellvertretende Stadtbezirksamtsleiterin für die Neustadt. Irgendeine Kausalkette führte dazu, dass sie nun für zwei Monate Hernn Fiebig vertreten wird. Hab ich wenig gegen.

Wir starten in die Sitzung mit einem besonders brisanten Thema – Altkleidercontainer. Durch die EU muss bis 2026 ein Gesetz zur Textilstrategie für Altkleider beschlossen werden. Hat wahrscheinlich niemand gemacht, deswegen gabs jetzt eine Fristverlängerung bis 2028 und dafür muss nun ein neues Übergangskonzept her. Neu ist hier, dass die Nutzungsentgelte für Betreibende der Altkleidercontainer entfallen sollen. Der Rest bleibt überwiegend wie es ist: Es gibt 10 Lose, es werden 10 Betreiber gesucht. Sollten sich Widererwarten keine 10 Betreiber finden, so bleiben die restlichen Plätze unbesetzt und werden auf die Wertstoffhöfe ausgelagert. Nun noch ein paar Zahlen: Man geht von einem Bedarf von 1 Container pro 1.500 Einwohner:innen aus. Der Stadtbezirk Plauen hat 72 Altkleidercontainer (krass, oder?) und deckt somit den Bedarf. Änderungen der Standorte sind nicht geplant, maximal nur, wenn baubedingt umgeparkt werden muss. Soweit, so unspektakulär: Die Vorlage wird einstimmig angenommen.

Im nächsten Tagesordnungspunkt geht es um eine Reparaturangelegenheit. Der Freundeskreis der Annenfriedhöfe Dresden e.V. möchte das Grab Nendel nach einem Sturmschaden reparieren und wieder aufbauen. Der Verein gründete sich 2022, hat mittlerweile 15 Mitglieder und pflegt Gräber historischer Persönlichkeiten, die für Stadt oder Nachlass aber nicht wichtig genug sind. Führungen auf beiden Annenfriedhöfen (neu & alt) werden ebenfalls regelmäßig angeboten. Nun aber zum Grab Nendel. Dieses liegt im Westen des Friedhofs und wurde im Oktober 2022 durch einen heftigen Sturm zerstört. Die Überbleibsel davon liegen seither unberührt an Ort und Stelle. Die umliegenden Gräber in der Umgebung der Dawison-Grabanlage sind bereits aufgearbeitet worden. Mit Vor-Ort-Begehung durch Fachbetriebe und der Genehmigung des Denkmalschutzes sind die Grundbausteine gelegt, nun fehlen nur noch 5.500 € vom Stadtbezirksbeirat Dresden Plauen. Ein Eigenanteil von 605 € (was ungefähr den Einnahmen der kompletten Mitgliedsbeiträge pro Jahr entspricht) zeigt, dass der Verein engagiert und tatwillig ist. Auch von der Präsentation des Vertreters bin ich schwer begeistert. Nicht zu lang, nicht zu kurz, alle nötigen Punkte enthalten und hervorragend informativ. Bitte immer so! Das Projekt wird einstimmig gefördert.

PS: Führungen des Vereins gibt es am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, dem 13.9.26:

10:00 Uhr: „Die Professorengräber als Spiegel der Entwicklung von der Technischen Bildungseinrichtung zur Technischen Universität“

12:00 Uhr: „Durch die Jahrhunderte – Berühmte Persönlichkeiten auf dem Alten Annenfriedhof“

Bewegt geht’s weiter mit dem Bericht über die Umsetzung der Discgolf-Anlage im Südpark und die Entscheidung darüber, ob wir weiterhin an Bord sind. Vor Ort vertreten ist der Eigenbetrieb Sport und der initiierende Verein „Drehst’n Deckel e.V.“ (immernoch so ein genialer Name). Alle nötigen Gutachten (darunter auch ein Strahlengutachten…) sind nun dank unserer (bzw. eurer) Gelder eingeholt und theoretisch kann es losgehen. Im weiteren Vorgehen sollen Sponsoringverträge mit potentiellen Partnern abgeschlossen werden (einer ist wohl schon an Bord), die Bauleistung ausgeschrieben und dann, wenn alles ‚rund läuft‘ (verstehste, rund, wegen Discgolf…), bereits 2026 eröffnet werden. Nach der Berichterstattung über den Planungsstand gibt es eine kleine Einführung in die Anlage: Geplant sind 18 Bahnen, sowohl für Einsteiger:innen als auch für Profis. Es gibt eine anspruchsvolle Bahn, für die ein „Spotter“ gebraucht wird, Bahnen mit „Strafzonen zum Schutz der Fußgänger“ (find ich witzig, kriegst n Frisbee an den Kopf geschrubbt und verletzt dich, aber wenigstens gibt’s Punktabzug!!! Aber ich kann euch beruhigen: Discgolf-Spielende wissen wohl, dass man keine fremden Menschen abwirft. Beruhigend.), eine Bahn mit „Mandatory“ (= Stab, an dem entweder links oder rechts vorbeigeworfen werden muss, weschen dor Sischorheid & dem Schutz der allgemeinen Bevölkerung) und eine Bahn ist eine Inselzone. Am Eingangsbereich gibt es dann eine Informationstafel, auf der ca. 3,5 Tage (bis freirechtliche Künstler:innen hier ein neues Canvas entdeckt haben) gelesen werden kann, wie das Spiel funktioniert und das das Abschießen der Parkgäste verboten ist (sonst gibt’s Punktabzug!!!) Neben bereits knapp 8.500 geförderten Euros für Planung und Gutachten jeglicher Art wird nun um weitere 47.500 EUR gebeten. Durch Sponsoring und Verein kommen jeweils auch 3.000 EUR mit in den Topf. Ja, das ist viel Geld, aber neben aller Ironie finde ich die Idee wirklich schön und wenn ich daran denke, was wir sonst schon alles gefördert haben (wertungsfrei…) und wie teuer andere Sportanlagen sind, ist das wirklich gut investiertes Geld. Benötigt kaum Wartung, ist für alle zugänglich und sicherlich eine schöne Attraktion für Familien und alle anderen Parkgäste. Während ich das hier tippe, fällt mir auch auf, wie genial das eigentlich ist. Die bauen einfach eine Minigolf-Anlage (nur mit Frisbee statt Golf), die dauerhaft und kostenlos geöffnet ist, in den Park, ohne diesen in seiner Nutzung krass zu beeinträchtigen. Für die Instandhaltung und Reparaturen durch Vandalismus sorgt der Eigenbetrieb sogar selbst, ganz ohne unserem (eurem) Geld! Und noch funny to know: Frisbee® ist ein eingetragenes Markenzeichen, deswegen reden wir hier von „Discs“. Der Verein hat auch 3 Stück davon mitgebracht, die hier rumgereicht wurden und das ist tatsächlich wie beim Golf: Unterschiedliche Größen, unterschiedliches Gewicht und unterschiedliche Funktionen, genauer „Putt/Approach“, „Midrange“ und „Distant Driver“. Irgendwie hab ich jetzt schon ziemlich Bock, das mal auszuprobieren. Ebenfalls good-to-know: Der Verein verleiht ordentliche Scheiben auch auf Anfrage. Weitere Überlegungen, wie z.B. den Uni-Sport nach Möglichkeit mit einzubeziehen oder Turniere zu veranstalten, sind ebenfalls recht fruchtbar. Mit einer temporären Erweiterung wären sogar größere Turniere wie Meisterschaften möglich. Mit einem einstimmigen Ergebnis (sogar Zustimmung durch Spaßhasser und Rechtsradikale) wird das Projekt weiter gefördert und ich hab das Gefühl, das wird richtig geil!

Im nächsten Tagesordnungspunkt geht es um einen Antrag aus der Mitte des Stadtbezirksbeirats – genauer gesagt von der Linkspartei, den ich solidarisch (& notwendigerweise) mit eingereicht habe. Im Konkreten geht es darum, ein Objekt auf der Hübnerstraße 6 in kommunaler Hand zu halten. Die hier ansässige Kindertageseinrichtung soll zum 31.08.27 geschlossen werden. Diverse und gute Gründe dafür worden uns in einer April-Sitzung vom Eigenbetrieb Kindertagesstätten dargelegt. Den Kindergarten dichtzumachen, ist das eine, aber kommunales Eigentum verscherbeln nochmal was anderes. Ideen zur Weiternutzung der Anlage sind dem Antrag zu entnehmen, z.B. Einrichtungen der Jugendarbeit. Genau darüber wird nun debattiert. CDU und FDP meckern, das sei zu weit weg und in einer Wohngegend, die keinen Bedarf an den Angeboten hat (Sorry, nur reiche Leute haben offenbar keine Probleme). Die Rechtsradiklen sorgen sich darum, dass ‚minderbemittelte Asylanten-Kinder‘ aus dem Förder- und Bedarfsgebiet Budapester Straße dort nun Einkehr finden könnten (formulieren es nur anders) und wollen lieber was „wirtschaftlich Tragendes“. Arbeit mit Menschen rechnet sich halt betriebswirtschaftlich einfach nicht. „Blöd halt deine Probleme unso, aber naja Großer, du musst halt auch verstehen. An dir verdient man einfach nichts. Und unter diesen Umständen, juckt…“. Die CDU beteuert nochmal die unpassende Lage, denn das ist 500 Meter vom Fördergebiet weg. „Das ist ein halber Kilometer! Das läuft kein Jugendlicher!“. Die ganze Reihe von Piraten über SPD bis Linke schaut sich gegenseitig äußerst skeptisch an. Kollegin Küllchen von den Sozen kontert nur plump „Die haben Räder.“ Und mal abgesehen davon – WTF? In welcher SUV-fahrenden-Rechtsanwalt-seienden Welt hat man denn keine Relation mehr dazu, wie viel (wenig) 500 Meter eigentlich sind und dass normale Menschen sowas laufen? Berechtigterweise spricht der Antragsteller und Kollege Wehner noch einmal an, dass das Verscherbeln von kommunalem Eigentum ne scheisz Idee ist und der Stadt in den letzten 10 Jahren extrem zu schaffen gemacht hat.

Folgender Absatz musste aus rechtlichen Gründen gekürzt werden. Ich wollte ihn aber nicht gänzlich streichen, deswegen streiche ich nur die problematischen Zeilen und umschreibe deren Inhalt schwammig.

Das Bild der AfD mir gegenüber währenddessen ist auch grandios. Links der Jugendnazi, der mit beiden Ellenbogen über dem Tisch lehnt, grüner Kong Strong Energy vor ihm, glotzend auf sein Handy und kein einziges Teilhaben am aktuellen Geschehen. Was er wohl macht? […; hier ging es darum, was er auf seinem Telefon wohl machen könnte., wie z.B. bestimmte Inhalte im Netz reposten, Clash Royale spielen oder Datingapps verwenden mit vorgreifender Erfolgswahrscheinlichkeit]. Wir werden es wohl nie erfahren und ich glaube, das ist auch besser so. Rechts seine rechtsradikale Aufpasser-Mutti, „gesichert extrem sächsi“ laut ihrem Laptop-Aufkleber“, mit garstigem Gesichtsausdruck, Stift und Lesebrille in der Hand kritzelnd in einem Stapel Papier. Das erinnert mich an […; hier habe ich eine Vision ausgemalt, an die mich dieses Bild erinnert. Es ging um einen sehr unschönen Typ Lehrerin, die ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt].

Ich schweife ab. Nach einer Beratungspause und nötigen Antrags-Anpassungen für Mehrheitsfindung stimmt der SBR für das Vorschlagsrecht, das nun dem OB auf den Tisch gelegt (und anschließend im Aktenvernichter geschreddert) wird.

Damit keine einzige Sitzung ohne die scheisz Bundesgartenschau 2033 auskommt, wird hier der Förderverein nochmal vorstellig. Dieser hat sich im Oktober 2025 gegründet, hat 60 Mitglieder und möchte der Bevölkerung „Lust machen“. Auf die BuGa. Diese Stadt hat noch nie was aufregenderes erlebt. Zusätzlich dazu will der Verein die BuGa „konstruktiv und kritisch“ begleiten. Na wenn das so ist, dann dürfte ja der absolut irrsinnige Ausbau der Galopp-Rennbahn (die uns nicht mal wirklich gehört) bald vom Tisch sein (u.a.). Der Typ klingt wirklich unfassbar engagiert und brennt für das Thema, das ja eigentlich im Kerngedanken ganz süß ist. Ein Verein von Interessierten aus der Zivilgesellschaft, der am Prozess partizipieren möchte. Irgendwie hab ich tatsächlich auch Mitleid, dass sich niemand einen Scheiszdreck dafür interessieren wird und jeder sowieso macht, was er will. Aber ich sags mal so: Wer sich im BuGa-Förderverein engagiert, kann währenddessen wenigstens keinen Mist machen (bei mittelalten weißen deutschen Männern auf der Suche nach Beschäftigung weiß man ja nie…). Auf meine Frage nach einem Standpunkt zur Galopprennbahn (mit dem leichten Unterton, dass das eine absolute Schweinerei (oder Gaulerei?) ist – sowohl was dort auf dem Platz passiert als auch absurd viel Geld in die Sanierung fremden „Besitzs“ zu stecken), gibt es noch keine Erkenntnisse. Man will sich das aber zumindest mal kritisch anschauen.

Nach ganz viel Bla Bla kommt nochmal ein kleiner (valider) Crashout von meinem Lieblingsgärtner Sven (FDP), der der Verwaltung diktiert, das wir das beschließende Gremium sind und das Stadtbezirksamt nur der ausführende Apparat für UNSERE Beschlüsse ist. Auch wenn der Auftritt etwas martialisch ist, Recht hat er absolut. Und „etwas vorgaggeieort“ fühlt er sich auch – verständlich. An der Stelle liebe Grüße, Sven! Und sorry, dass für die letzten Sitzungen keine Berichte kamen, auf die du sehnsüchtig gewartet hast und dann doch enttäuscht wurdest. Ich gelobe Besserung und bitte um möglichst viele Stilblüten! Ich schick’s dir zwar nochmal per E-Mail, aber falls dein Google-Alert schneller ist: Sven Gärtner .

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