5 Jahre eiskalter Irrsinn am Elbufer: Wir sagen auf Nimmerwiedersehen!

Zu sehen sind die vielen Container und Absperrungen vom Skicup, sowie Teile der Schneefläche und einige Autos. Dahinter ist die Dresdner Altstadt.

Dieser Kommentar basiert auf der Grundlage eines Textes eines netten, anonymen Menschen und wurde von Anne Herpertz abgeändert.

Das fünfte Jahr in Folge wird Schnee produziert und mit LKWs durch die Gegend geschleppt, damit dieser dann bei 5-10°C am Elbufer vor sich hin schmelzen darf. Und wofür das Ganze? Für ein völlig überflüssiges Langlaufrennen vor der Kretschmer’schen Residenz an der Elbflorentinischen Küste. Über die Jahre wurden dafür tausende Kubikmeter Schnee unter enormen Energieaufwand bereitgestellt, bezahlt mit Millionen aus den Haushalten Dresdens und Sachsens.* Da hätte ein Spaß-Schneepark für die ganze Familie deutlich mehr Sinn gemacht.

Man kommt nicht umhin, derart inkonsequentes und bisweilen paradoxes Handeln als solches zu benennen. Auf der einen Seite wurde auf dem 26. Klimagipfel über das 1,5°C-Ziel verhandelt, während auf der anderen Seite Wintersportveranstaltung bei herbstlichen Temperaturen gegen jede Vernunft in Großstädten wie Dresden durchgeführt werden. Wir wollen klimaneutrale Stadt werden? Es scheint tatsächlich die Strategie zu sein, sich Schnee, der schon wegen des Klimawandels immer weniger werden wird, mit LKWs ranzukarren, um dann entspannt – während man den klimafreundlichen Radweg umleitet – neben lauten Motoren und Sport und Spaß dem Schnee beim Sterben zuzusehen. Warum eigentlich kein Klimawandel-Museum draus machen?

Der selbsternannte Weltcup wird auch noch begründet mit an den Haaren herbeigeberechneten Marketingwerten, die den Tourismus bestimmt ganz toll ankurbeln würden. Wie viele Menschen überhaupt wissen, wo der stattfindet, geschweige denn, ob man dort jemals hinwill? Schon mehrfach in der Bahn gehört: „Was ist das da unten? SKIWELTCUP nicht dein Ernst, wir sind in Dresden!“ Aber nicht mit Dresden! Man hats direkt vor Augen: Wintersporthauptstadt Dresden. ALPENREPUBLIK DRESDEN!

Aber mal ehrlich: Selbst wenn sich der Tourismus für die Stadt am Ende sogar gerechnet haben sollte – was nützen uns Tourist:innen in einer Stadt auf einem zerstören Planeten? Warum investieren wir das Geld nicht endlich in nachhaltige Infrastruktur wie Radwege oder die Dekarbonisierung? Der Effekt wäre wirklich langfristig und unsere nachfolgenden Generationen würden es uns danken.

Nun findet dieser Weltcup das fünfte und hoffentlich letzte Mal in Dresden statt. Denn auch der internationale Ski-Verband hat endlich eingesehen, dass die Veranstaltung hier keinen Mehrwert hat. Schade, dass die Stadt nicht selbst zu dem Schluss gekommen ist, wie sinnlos teuer, intransparent und unbedeutend das alles ist, sondern erst mit einer externen Entscheidung dazu gezwungen werden muss, unser Geld sinnvoll zu investieren. Also, falls sie das tut. Viele Möglichkeiten gibt es jedenfalls. Lasst uns dran arbeiten, ganz ohne Schnee von gestern. (Sonst wird Schlitten gefahren.)

* Die Stadt sponsort das Event seit 2019 mit 357.000€ pro Jahr [https://ratsinfo.dresden.de/vo0050.asp?__kvonr=15180], auch 2018 wurde mit hohen Mitteln unterstützt [https://ratsinfo.dresden.de/vo0050.asp?__kvonr=13305]. Das Geld wird dabei als Sponsoring und nicht als Förderung gezahlt. Dadurch verliert die Stadt jeglichen Einblick in was mit dem Geld passiert ist – Abrechnungen oder Überprüfung der Verwendung der Mittel werden nicht vorgenommen und sind wohl auch nicht erwünscht. Böse Zungen könnten nun behaupten, dass die Stadt hier Geld in die Taschen der Organisator:innen scheffelt. Da werden wir wohl mal nachbohren müssen.

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